Der Facebook Knigge. Quelle: http://goo.gl/KXf5h

Endlich ist er da: Der Knigge für Social Media. Der Deutsche Knigge-Rat lässt uns auch im digitalen Zeitalter nicht im Stich und veröffentlicht einen Leitfaden für den Umgang mit sozialen Netzwerken. Doch die Verfechter des guten Benehmens fordern damit nicht zu mehr Höflichkeit und Manieren bei Facebook & Co. auf, sondern warnen davor, “das elementare Gut der Privatsphäre durch neue soziale Netzwerke leichtfertig aufzugeben”.

Wer seine Privatsphäre in sozialen Netzwerken schützen will, befolgt ganz einfach diese 7 Regeln:

1. Alle Sicherheitseinstellungen aktivieren
Prüfen Sie aktiv, welche Daten öffentlich von Suchmaschinen und fremden Personen eingesehen werden können. Selektieren Sie, ob neben Ihrem Profilfoto und Ihrem Namen weitere Informationen angezeigt werden.

2. Bilden Sie Freundeskreise
Bei google+ und Facebook können Sie Bekannte und Freunde unterscheiden. Überlegen Sie sich vorab, wen Sie in Ihrem Netzwerk zulassen. Legen Sie darüber hinaus unterschiedliche Kreise bzw. Listen für die unterschiedlichen Personengruppen an: Familie – Arbeit – Sport…

3. Schützen Sie bei jedem Eintrag Ihre Privatsphäre
In der Standardeinstellung werden Ihre Pinwandeinträge meist öffentlich gepostet und sind sichtbar. Entscheiden Sie direkt beim Eintragen, welcher Personenkreis diese Nachricht lesen darf.

4. Prüfen Sie Ihre privaten Fotos
Viele Benutzer laden unbekümmert direkt vom Handy oder online selbst intime Fotos hoch, die sie im privaten Bereich selten oder gar nicht präsentieren würden. Überlegen Sie genau, ob Sie diese Bilder auch in drei Jahren noch im Internet unter Ihrem Namen finden möchten. Schützen Sie bei persönlichen Bildern auch die Privatsphäre der anderen Personen, in dem Sie diese vor dem Hochladen ausdrücklich um Erlaubnis fragen.

5. Ihre Persönlichkeit verdient Schutz
Überlegen Sie genau, ob Sie Ihre politischen Ansichten, ihre sexuelle Orientierung und Ihren Familienstand für jedermann öffentlich machen möchten. Auch in Ihrem persönlichen Benutzerprofil müssen nicht alle optionalen Felder ausgefüllt werden.

6. Achten Sie auf Vertraulichkeit
Soziale Netzwerke leben von persönlichen Kommentaren. Mitunter können öffentliche Kommentare diese Person auch “an den Pranger stellen”. Wählen Sie aktiv, ob ein Kommentar nicht besser als vertrauliche Nachricht verschickt werden sollte.

7. Löschen Sie aktiv unerwünschte Einträge
Das Internet vergisst nie. Unerwünschte Einträge lassen nach Jahren kaum noch löschen, weil die Daten auf ausländischen Servern gespeichert werden, die nicht dem deutschen Recht unterliegen. Prüfen Sie deshalb öffentliche Einträge zeitnah und löschen Sie umgehend Einträge, die Ihnen selbst oder anderen schaden könnten.

Quelle: Privacy Knigge

Im Grunde heißt das also “Privates nicht öffentlich posten”. So einfach geht das also. Da fragt man sich, an wen sich dieser Leitfaden richtet. An Eltern, die von Sicherheitseinstellungen und Freundeskreise keine Ahnung haben? An den Jugendlichen, der auf einer Tequila-Flatrate-Party sternhagelvoll fotografiert wird bevor er ins Koma fällt und sich am nächsten Tag über die 83 Likes unter dem mit ihm getaggten Foto freut? Oder an das Mädel von nebenan, das davon träumt als Model entdeckt zu werden und darum ihre 80-50-80 Maße im Bikini zur Schau stellt?

Ok, dieser Leitfaden mag vielleicht den ein oder anderen zum Nachdenken bewegen. Aber letztendlich bewirkt er nichts außer dass der Knigge sich in ein (vermeintlich) modernes Licht rückt und zu einem aktuellen Thema Stellung nimmt.

In diesem Zusammenhang fällt mir die eEtiquette des Creation Centers der Telekom Laboratories ein, die 101 Do’s and Don’ts des digitalen Alltags umfässt. Auch hier wird das Thema Privatsphäre behandelt und darüber hinaus noch vieles mehr sehr anschaulich beschrieben. Auch für Eltern…

 

Eine meiner Lieblings-eEtiquetten ist folgende:

Achso, und wer Zweifel hat, wie das mit dem Benehmen nochmal in der analogen Welt war, der kann wiederum einen Blick auf den Knigge zum Thema “Gesellschaft” werfen…

5 comments

  1. Pingback: Social Web macht Schule Blog » Der Social Media Knigge

  2. Jan 5. Januar 2012 at 16:21

    Antworten

    klar man kann das natürlich auch etwas zynisch sehen – der verstaubte Knigge-Rat rückt sich in ein modernes Licht2.0 :)

    Aber ich finde, solange es immer noch Nutzer gibt, denen ein zu offenes und extrovertiertes Tun im Social Web irgendwann auf die Füße fällt, kann es nicht genug Hinweise und Tippgeber geben.

    Und ich sehe es an unserem Schulprojekt, was wir in 7. und 8. Klassen durchführen – Aufklärung und Information haben sowohl die Kids, als auch ide Eltern und Lehrer bitter nötig.

    Der Leitfaden selber bewirkt sich nichts … aber steter Tropfen höhlt den Stein und es ist gut, dass sich immer wieder Insitutionen oder auch Agenturen und Blogger mit dem Thema beschäftigen.

    Also Danke, Andrea, für den Beitrag!

    • Andrea 5. Januar 2012 at 17:17

      Antworten

      Danke für deinen Kommentar, Jan. Im Grunde bin ich da auch ganz bei dir. Es herrscht immer noch großes Unwissen, sei es bei Privatpersonen jeglichen Alters oder bei Unternehmen was das Thema Social Media betrifft.
      Dennoch, sich als Knigge hinzustellen und zu sagen “Nix Privates veröffentlichen” und glauben, damit sei’s getan, hat mich dann doch zu einem eher zynischen Artikel veranlasst.
      Aber wer weiß, wie’s da noch weiter geht.

  3. Pingback: Take me to auction » Links der Woche: Facebook Marketing für Anfänger, Knigge für Social Media, Strategien zur Retourenvermeidung

  4. Sophia 30. Januar 2012 at 13:11

    Antworten

    Ich muss mich dem Ganzen anschließen. Ich denke mir immer, so etwas ist doch selbstverständlich und ich persönlich finde diesen Knigge für mich überflüssig…Allerdings ist es auch leider wahr, dass viele Leute nicht bescheid wissen und von selber auch nicht groß darüber nachdenken. In sofern ist der Knigge vielleicht dann doch wieder ganz sinnvoll :)

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